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Gorleben 2011 – Die Grüne Jugend Leipzig war dabei! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Katha Ander   
Montag, 19. Dezember 2011

Zum 13.und zunächst letzten Castor nach Gorleben machten sich 4 Igelinnen am Freitag, den 25. 11. 2011, auf den Weg. Mit großem und kleinerem Gepäck, gut versorgt, fuhren wir mit der Deutschen Bahn nach Salzwedel, trampten nach Reddebeitz ins Heuhotel der Grünen Jugend und verhinderten eine Beziehungskrise unserer netten Fahrer. Nach einem warmen Tee und leckerem Essen bildeten alle Teilnehmer_innen Bezugsgruppen (in Bezugsgruppen werden gleiche Demonstrationsziele verfolgt und es wird gemeinsam gehandelt). Zusammen mit Lukas aus Kassel entstand die Bezugsgruppe „Himbeertorte“ mit der Absicht, zivilen Ungehorsam und Widerstand zu leisten, jedoch nicht zu Schottern oder andere Straftaten zu begehen. Ein Aktionstraining wurde vertagt. Stattdessen war die Aufregung nach dem Polizeieinmarsch mit Wasserwerfern ins Camp Metzingen noch einmal groß, da sich dort Bekannte aufhielten und Aktionen abgewogen wurden, um diesen zu helfen. Da sich die Situation entspannte, gingen wir zu Bett und verbrachten eine ruhige Nacht im Heu.

Am Samstag trampte der Großteil unserer Gruppe erfolgreich nach Dannenberg, eine Igelin fuhr Materialien und Gepäck zum Stand der Bündnis Grünen, welchen die Grüne Jugend betreute. Die Verantwortlichen Politiker_innen waren durch die Bundesdeligiertenkonferenz in Kiel verhindert. Mit Fahnen und Transparenten zogen wir mittags zur Großdemonstration, der schätzungsweise 23.000 Menschen und 450 Traktoren beiwohnten. Lautstark und guter Laune protestierten wir unter anderem mit dem Ruf „Wir sind hier und wir sind laut, weil uns vor Atomkraft graut“. Danach erfolgte eine Kundgebung, auf der die Ziele der Demonstration und die Gründe zur Abschaltung verdeutlicht wurden. Im Anschluss versorgten die Volxküchen uns mit Suppe und veganen Chilli. Nach dem Standabbau 16:30 Uhr fuhren wir ins Camp Hitzacker und von dort geschlossen zur Sitzblockade auf den Schienen der Gruppe „WiderSetzen!“ in Harlingen. Wir verbrachten neben Lagerfeuern, mit guter Musik und aktuellsten Informationen rund um den Castor neben der Schiene im Gleisbett eine warme Nacht. Um 3:10 Uhr wurde den rund 4000 Widersetzer_innen und ca. 30 Igel_innen der Grünen Jugend die dritte Aufforderung ausgesprochen, die Schiene zu verlassen. An diesem Punkt trennte sich unsere Gruppe, zwei blieben mit anderen Igel_innen auf den Gleisen und ließen sich räumen; die drei anderen verließen die Blockade freiwillig und trampten ins Camp Gedelitz, um von dort zur Straßenblockade zu gelangen.

Die zwei Igelinnen wurden friedlich und relativ gewaltfrei seitens der Polizei geräumt, gingen in die Gefangenen-Sammelstelle und warteten weitere 8 Stunden, bis sie ihre Daten abgeben und die Sammelstelle verlassen konnten. Sie trampten nach Leipzig und kamen Sonntagabend nicht minder erschöpft an.

Die anderen Drei schlossen sich am Sonntagvormittag den Igel_innen der Bezugsgruppe „Spaghettimonster“ im Camp an. Nach ausgiebigem Frühstücken und Zähneputzen wanderten wir zum Ziel „Straße“. Nach einer kleinen Blockade der Polizei gelangten wir und insgesamt 940 andere Demonstrierende gegen 14:00 Uhr auf die Zufahrtsstraße nach Gorleben, um die Blockade von „x-tausend mal quer“ zu realisieren. Direkt am Ortsschild richteten wir unser Lager ein, wurden fotografiert und nachmittags von einem Regenguss überrascht. Die Männer unserer Gruppe begannen daraufhin ein 7-Personen-Zelt mit überraschenden architektonischen Leistungen zu bauen, in dem wir die Nacht verbrachten. Vorher wurde jedoch ausgiebig am Ende der Blockade getanzt und gefeiert, in den Volxküchen geschlemmt und der Castorticker verfolgt. Die Betonpyramide der Bäuerlichen Notgemeinschaft hielt den Castor dabei über 11 Stunden auf und Greenpeace-Aktivist_innen, welche sich an Gleis und Straße gekettet hatten, konnten weitere Verzögerungen bewirken. Später kamen Mitglieder der Grünen hinzu, die die Bundesdeligiertenkonferenz bereits verlassen hatten.

Nach einer langen Nacht im Flutlicht der Polizei empfing uns der Montagmorgen kühl mit einem Morgenrot, welches zu einem Spaziergang zur nahe gelegenen Elbe verleitete. Schon früh begann die Blockade wiederum zu wachsen, immer mehr demonstrierende, schotternde und blockierende Menschen der Schiene kamen teils erschöpft hinzu. Die Verladung der Castoren in Dannenberg auf LKWs war in vollem Gange und die Räumung durch die Polizei wurde auf 13 - 14 Uhr geschätzt. Als Abreisezeit behielten wir 14:00 Uhr im Auge, machten Fotos und Aufgaben für die Uni. Da sich die Räumung weiter verzögerte, beschlossen wir zur genannten Zeit die Blockade zu verlassen; wir reisten mit dem Treckershuttle durch den Wald, zu Fuß ins Camp, per Anhalter nach Lüchow und mit ein wenig Glück trampten wir direkt mit einem Dresdner Zimmermann nach Leipzig. Gegen 19 Uhr kamen wir an der Neuen Messe an und nutzen den Abend für ausgiebige Körperpflege, die zuvor nicht möglich war.

Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass dies der längste Castor nach Gorleben war, auch durch unsere Hilfe. Wir haben unseren Protest gegen Atomkraft und unseren Wunsch für die Suche eines geeigneten Endlagers, nicht Gorleben, zum Ausdruck gebracht, durch unsere Teilnahme an den Blockaden konnten wir den Bewohner_innen der dortigen Dörfer helfen, welche nicht selbst blockieren konnten. Die Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft und Motivation dieser Menschen beeindruckte uns sehr.

Letzte Aktualisierung ( Montag, 19. Dezember 2011 )
 
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